A Jazz Improvisation Primer

von Marc Sabatella

© Copyright 1992-2000 Outside Shore Music

Übersetzung: Edgar Lins (letzte Änderung 8.8.2005)


Schlagzeug

Wie beim Bassisten ist eine der Rollen des Schlagzeugers in traditionellen Jazz-Formen, einen gleichmäßigen Takt im Stil des Lieds zu spielen. Mit gleichmäßig meine ich hinsichtlich des Tempos, und es soll nicht bedeuten, daß Sie nicht kreativ sein und Ihre Patterns variieren sollen. Ich kann nicht viel zu den Besonderheiten der Schlagzeugtechniken sagen, kann aber einige grundlegende Patterns und Stile beschreiben und Ihnen ein paar Hinweise zu anderen Aspekten der Rolle des Schlagzeugers geben.

Das Basis-Pattern für den 4/4-Swing besteht aus zwei Komponenten: dem Ride-Pattern und dem Hi-Hat-Pattern. Das Basis-Pattern für das Ride-Becken ist "eins, zwei und, drei, vier und" oder "ding ding-e ding ding-e" mit Swing-Achtelnoten. Das Hi-Hat wird normalerweise direkt auf "zwei" und "vier" geschlossen. Das ist, was die meisten einfachen Drum-Geräte spielen, wenn "Swing" ausgewählt wird. Dieses Pattern ist für viele Jazz-Lieder geeignet, insbesondere für Standards mit mittlerem oder hohem Tempo oder für Bebop-Melodien. Langsamere Lieder wie Balladen verlangen für das Basis-Pattern oft den Einsatz von Besen auf der Snare-Drum statt von Stöcken auf den Becken. Es gibt ein paar Bücher, die Ihnen dabei helfen können, Patterns für andere Stile zu konstruieren; ein solches Buch ist Essential Styles For The Drummer And Bassist. Die wichtigsten Stile, von denen vermutlich erwartet wird, daß Sie sie spielen können, werden im folgenden beschrieben.

Das Basis-Pattern für den Shuffle besteht aus Achtelnoten auf dem Ride-Becken und möglicherweise auf der Snare-Drum. Der zweite und der vierte Schlag werden gewöhnlich ebenfalls stärker betont. Das Basis-Pattern für den Jazz-Walzer oder den 3/4-Swing besteht aus "eins, zwei, und-von-zwei, drei" oder "ding ding-e ding" auf dem Ride-Becken mit dem Hi-Hat auf "zwei". Andere Variationen sind z.B. mit dem Hi-Hat auf "zwei" und "drei" oder auf allen drei Schlägen; die Snare zusätzlich auf dem "und-von-zwei" oder auf dem "und-von-eins" und auf der "drei".

Drei Formen des Latin-Jazz, die Sie spielen können sollten, sind der Bossa Nova, der Samba und der Mambo. Das Wesentliche der meisten Latin-Jazz-Stile ist die Clave, welche eine bestimmte Art von rhythmischem Pattern ist. Die Basis-Clave ist zwei Takte lang und besteht aus "eins, und-von-zwei, vier; zwei, drei". Es gibt auch eine afrikanische Clave oder Rumba-Clave, bei der die dritte Note auf dem "und-von-vier" statt auf dem Schlag gespielt wird. Der Bossa Nova benutzt eine Variation der Basis-Clave, bei der die letzte Note auf das "und-von-drei" statt auf den Schlag fällt. Diese Clave-Patterns können auch umgekehrt werden, d.h. die beiden Takte werden vertauscht. Die Clave wird gewöhnlich als Schlag auf den Rand der Snare eines traditionellen Schlagzeugs gespielt, obwohl sie oft überhaupt nicht vom Schlagzeuger gespielt wird, sondern von einem zusätzlichen Perkussionisten.

Die Clave wird durch weitere Patterns auf anderen Trommeln ergänzt. Die Baßtrommel kann auf "eins" und "drei" mit Achtelnotenaufschlägen spielen. Das Hi-Hat wird auf "zwei" und "vier" geschlossen. Andere Patterns können auf einem Becken oder einer Cowbell gespielt werden. Typische Mambo-Patterns sind z.B. "eins, zwei, drei, und-von-drei, und-von-vier; eins, zwei, und-von-zwei, und-von-drei, und-von-vier" oder "eins, zwei, drei, und-von-drei; eins, und-von-eins, und-von-zwei, und-von-drei, vier". Ein einfaches Pattern, bestehend aus "zwei, vier, und-von-vier", wird statt der Clave auf dem Snare-Rand und dem Mounted Tom gespielt. Bossa Novas können ein Pattern aus geraden Achtelnoten auf dem Ride-Becken benutzen. Sambas haben einen Double-Time-Rhythmus. Das Becken-Pattern besteht gewöhnlich aus geraden Achtelnoten und wird oft auf einem geschlossenen Hi-Hat gespielt. Statt die Clave zu spielen, kann die Snare-Drum einfach bei "vier" angeschlagen werden.

Bestimmte Kompositionen, wie z.B. Lee Morgans The Sidewinder oder Tony Williams' Sister Cheryl haben einzigartige Schlagzeug-Patterns, die unauslöschlich mit diesem Lied verbunden sind. Für Schlagzeuger ist es wahrscheinlich hilfreicher als für alle anderen Musiker, sich Aufnahmen eines demnächst aufzuführenden Lieds anzuhören, bevor man versucht es zu spielen, weil Fakebooks im allgemeinen nicht viele Hinweise für Schlagzeuger geben.

Ein guter Schlagzeuger wird nicht einfach während des ganzen Lieds immer und immer wieder dasselbe Pattern spielen. Sie können zum einen das Pattern variieren, indem Sie vielleicht nur Viertelnoten auf dem Ride spielen oder den Rhythmus gelegentlich zu "ding-e ding ding-e ding" variieren. Oder Sie könnten das Hi-Hat auf jedem Schlag spielen. Sie möchten auch vielleicht die anderen Trommeln, wie z.B. die Toms, als Teil Ihres Basis-Patterns für ein Lied benutzen. Tony Williams ist ein Meister darin, seine Patterns auf diese Art zu variieren.

Oftmals wird der Schlagzeuger während des Kopfs einen einfachen Zweierschlag spielen und für die Soli zu einem Viererrhythmus wechseln. Eine der leichtesten Möglichkeiten, die Atmosphäre eines Stücks zu ändern, ist, einfach das Pattern der Becken miteinander zu vertauschen, z.B. beim Wechsel des Solisten oder um die Bridge eines Lieds zu kennzeichnen. Die Form eines Lieds kenntlich zu machen, ist eine weitere wichtige Rolle des Schlagzeugers. Die meisten typischen Liedformen haben aus 4 oder 8 Takten bestehende Phrasen. Am Ende jeder Phrase spielt der Schlagzeuger oft ein komplexeres Pattern (Fill), um in die nächste Phrase überzuleiten. Eine andere Taktik ist, den Grundrhythmus von Phrase zu Phrase zu ändern. Als Schlagzeuger sollten Sie sich der Form des Lieds immer bewußt sein und wissen, wo Unterbrechungen, besondere Einführungen oder Codas sind. Sie sollten in der Lage sein, sich die Melodie während der Soli vorzusingen, wenn es notwendig ist, so daß Sie die Form für den Solisten umschreiben können. Das wird dem Solisten helfen, im Rahmen zu bleiben, indem Sie ihn z.B. erkennen lassen, wann Sie die Bridge erreicht haben. Auch strukturiert der Solist gewöhnlich seine eigenen Phrasen entlang der Linien der ursprünglichen Form. Indem Sie sich selbst an diese Form halten, werden Sie üblicherweise die Entwicklung seiner Ideen unterstützen. Art Blakey ist ein Meister darin, auf diese Art die Form zu spielen und die Solisten zu unterstützen.

Während eines Solos kann ein Instrumentalist in seinen Phrasen absichtlich Pausen lassen. Wie der Pianist und der Bassist, so kann sich auch der Schlagzeuger entschließen, diese Lücken mit einer antwortenden Phrase oder einem Gegenrhythmus zu füllen. Schlagzeuger können auch durch den Gebrauch von Polyrhythmen, d.h. durch die Überlagerung von zwei oder mehr Rhythmen, z.B. drei gegen vier, Spannung erzeugen. Ein Schlagzeuger kann entweder versuchen, selbst zwei verschiedene Rhythmen zu spielen oder mit dem Bassisten, einem anderen Begleiter oder dem Solisten zusammenarbeiten, um zwischen ihnen einen Polyrhythmus zu erzeugen. Wie beim Gebrauch des Kontrapunkts in Baßlinien müssen Sie jedoch den Wunsch nach rhythmischer Variation mit der Erkenntnis in Einklang bringen, daß ein Durcheinander oder Chaos entstehen kann, wenn man zu weit geht.

Da jeder, um den Takt zu halten, vom Schlagzeuger abhängig ist, ist die rhythmische Stabilität entscheidend. Das rhythmische Interesse des Schlagzeug-Parts ist jedoch ebenfalls wichtig, und während Schlagzeugsoli ist es unerläßlich. Perkussion bedeutet aber auch nicht nur Rhythmus. Als Schlagzeuger können Sie keine Linien spielen, die in einem traditionellen melodischen oder harmonischen Sinn interessant sind. Sie können aber das Timbre Ihrer Linien ändern, indem Sie Trommeln oder Becken mit verschiedenen Tonhöhen spielen. Sie sollten immer noch melodisch denken, wenn Sie das Schlagzeug spielen.


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