A Jazz Improvisation Primer

von Marc Sabatella

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Übersetzung: Edgar Lins (letzte Änderung 11.7.2005)


Mehrfachakkord- und Upper-Structure-Griffe

Die Grundlage eines Mehrfachakkordgriffs ist, zwei verschiedene Akkorde gleichzeitig zu spielen, wie z.B. beim Klavier einen mit der linken und einen mit der rechten Hand. Die Beziehung zwischen den beiden Akkorden bestimmt die Qualität des resultierenden Akkords. Das sind beim Klavier immer beidhändige Griffe oder fünf- bzw. sechssaitige Griffe bei der Gitarre. Diese erzeugen verglichen mit den bisher vorgestellten Griffen einen sehr vollen, komplexen Sound.

Der einfachste Stil der Mehrfachakkordgriffe ist, zwei Dreiklänge zu spielen, z.B. auf dem Klavier einen C-Dur-Dreiklang mit der linken Hand und einen D-Dur-Dreiklang mit der rechten. Das wird D/C notiert. Diese Notation ist in dem Sinne überladen, daß sie üblicherweise einen D-Dur-Dreiklang über einer einzelnen Note C im Baß bedeutet; es ist nicht immer klar, wann ein Mehrfachakkord beabsichtigt ist. Mehrfachakkorde werden in der geschriebenen Musik selten ausdrücklich verlangt, so daß es keine Standardmethode gibt, sie zu notieren. Sie müssen normalerweise Ihre eigenen Gelegenheiten finden, Mehrfachakkorde zu spielen.

Wenn man alle Noten in diesem D/C-Griff in eine Reihe bringt, sieht man, daß das entweder die C-lydische oder C-lydisch-dominante Tonleiter beschreibt. Deshalb kann dieser Griff über jedem Akkord benutzt werden, für den diese Tonleitern geeignet sind. Wenn Sie mit anderen Dreiklängen über einem C-Dur-Dreiklang experimentieren, werden Sie verschiedene Kombinationen finden, die gut klingen und wohlbekannte Tonleitern beschreiben. Viele dieser Kombinationen enthalten jedoch doppelte Noten, die wie unten beschrieben vermieden werden können. Zu den Mehrfachakkorden, die keine doppelten Noten enthalten, gehören:

Diese Mehrfachakkorde können als Griffe für alle Akkorde benutzt werden, die zu den zugehörigen Tonleitern passen.

Sie haben vielleicht bemerkt, daß Db/C, Abm/C, Bm/C und H/C ebenfalls keine doppelten Noten besitzen und sehr interessant klingen, obwohl sie offensichtlich keine Standardtonleitern beschreiben. Es gibt keine Regeln dafür, wann diese Mehrfachakkorde als Griffe gespielt werden können. Wenn Ihr Gehör sich an die besonderen Nuancen und Dissonanzen eines jeden von ihnen gewöhnt hat, werden Sie Situationen finden, in denen Sie sie verwenden können. So klingt z.B. der letzte aufgeführte Mehrfachakkord, H/C, gut, wenn er als Ersatz für Cmaj7 benutzt wird, besonders im Zusammenhang mit einer ii-V-I-Progression und speziell am Ende eines Lieds. Sie können ihn in einen normalen Cmaj7-Griff auflösen, wenn Sie möchten.

Ähnliche Mehrfachakkorde kann man mit einem unten stehenden Molldreiklang erzeugen:

Ich habe bereits den Wunsch erwähnt, die doppelten Noten zu vermeiden. Eine Möglichkeit, Mehrfachakkorde zu konstruieren, die doppelte Noten vermeiden, ist, den unteren Dreiklang entweder durch die Terz und die Septime, den Grundton und die Septime oder den Grundton und die Terz eines Dominantakkords zu ersetzen. Griffe, die auf diese Art konstruiert sind, werden auch "Upper Structures" genannt. Sie implizieren stets eine Art Dominantakkord.

Es gibt z.B. mehrere mögliche C7-Upper-Structures:

Sie werden feststellen, daß es viel Übung braucht, um mit diesen Griffen vertraut genug zu werden, damit man sie spielen kann, sobald sie benötigt werden. Sie möchten vielleicht ein paar Melodien auswählen und vorausplanen, wann Sie diese Griffe benutzen werden. Der Aufwand lohnt sich sehr. Der volle Klang und die Vielfalt, die durch diese Griffe eingeführt werden, können Ihrem harmonischen Vokabular eine Menge hinzufügen.


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