A Jazz Improvisation Primer

von Marc Sabatella

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Übersetzung: Edgar Lins (letzte Änderung 27.6.2005)


3/7-Griffe

Es ist sozusagen eine Schande, daß die verbreitetste Art der Griffe, die von den meisten Pianisten seit den 1950ern benutzt wird, keine richtig feststehende Bezeichnung hat. Ich habe für diese Art Griffe die Bezeichnungen Kategorie-A- und Kategorie-B-Griffe, Bill-Evans-Griffe oder einfach Linke-Hand-Griffe gesehen. Da sie auf der Terz und der Septime des zugehörigen Akkords basieren, nenne ich sie 3/7-Griffe.

Die Grundlage dieser Griffe ist, daß sie sowohl die Terz als auch die Septime des Akkords, sowie üblicherweise noch mindestens eine oder zwei andere Noten enthalten, und entweder die Terz oder die Septime unten steht. Da die Terz und die Septime die wichtigsten Noten sind, die die Qualität eines Akkords definieren, erzeugen diese Regeln fast immer gut klingende Resultate. Diese Griffe können auch automatisch eine gute Stimmführung erzeugen, d.h. wenn sie in einer Akkordprogression benutzt werden, gibt es sehr wenig Bewegung zwischen den Griffen. Oftmals können die gleichen Noten von einem Griff zum nächsten beibehalten werden, oder es muß höchstens eine Note um einen Schritt verändert werden.

Denken Sie z.B. an eine ii-V-I-Progression in C-Dur. Die Akkorde sind Dm7, G7 und Cmaj7. Die einfachste Form des 3/7-Griffs auf dieser Progression wäre, den Dm7 als F C, den G7 als F H und den Cmaj7 als E H zu spielen. Beachten Sie, daß im ersten Akkord die Terz unten steht; im zweiten Akkord steht die Septime unten; im dritten Akkord steht die Terz unten. Beachten Sie auch, daß wenn man von einem Griff zum nächsten geht, nur eine Note geändert wird; die anderen Noten bleiben gleich. Das ist eine wichtige Eigenschaft der 3/7-Griffe: Wenn sie in einer ii-V-I-Progression benutzt werden oder in einer Progression, in der der Grundton in Quarten oder Quinten fortgeführt wird, wechseln Sie bei der unteren Note zwischen der Terz und der Septime. Eine analoge Gruppe von Griffen erhält man, wenn man mit der unten stehenden Septime beginnt: C F, H F, H E.

Normalerweise würden Sie mehr als nur die Terz und die Septime benutzen. Oft sind die hinzugefügten Noten die Sexte (oder Terzdezime) und die None. So könnte z.B. die C-Dur-ii-V-I als F C E, F H E, E H D oder als F A C E, F A H E, E A H D gespielt werden. Die hinzugefügten Noten sind alle Sexten oder Nonen, mit Ausnahme einer Quinte im ersten Akkord des zweiten Beispiels. Wenn Sie diese viernotigen Griffe auf einer Gitarre spielen, werden zusätzliche Noten üblicherweise über der Terz und der Septime hinzugefügt, oder Ihr Griff wird am Ende wahrscheinlich mehrere kleine Intervalle beinhalten, was üblicherweise nur mit schwierigen Verdrehungen der Hand spielbar ist. Deshalb könnte man die C-Dur-ii-V-I auf der Gitarre mit den viernotigen Griffen F C E A, F H E A und E H D A spielen.

Beachten Sie, daß keiner dieser Griffe den Grundton des jeweiligen Akkords enthält. Es wird angenommen, daß der Bassist irgendwann den Grundton spielt. Wenn kein Bassist vorhanden ist, wird der Pianist oft den Grundton mit der linken Hand auf dem ersten Schlag spielen und dann einen dieser Griffe auf dem zweiten oder dritten Schlag. Man kann oft tatsächlich ohne den Grundton auskommen; in vielen Situationen ahnt das Ohr die Akkordprogression voraus und stellt auch ohne den Grundton den richtigen Zusammenhang zu dem Griff her. Es ist nicht verboten, in diesen Griffen den Grundton zu spielen, aber es ist weder erforderlich noch notwendigerweise besser.

Diese Grundgriffe können auf verschiedene Weise verändert werden. Manchmal möchten Sie vielleicht entweder die Terz oder die Septime weglassen. Oft wird ein Moll- oder Durakkord, der als Tonika dient, mit der Terz, Sexte und None gegriffen, und diese Griffe könnten mit regulären 3/7-Griffen durchsetzt sein. Auch Griffe, bei denen die Quinte oder eine andere Note unten steht, können mit wahren 3/7-Griffen durchsetzt sein. Das mag aus verschiedenen Gründen geschehen. Zum einen neigen alle bisher beschriebenen Griffe, wenn sie auf dem Klavier gespielt werden, dazu, die Tastatur entlang nach unten zu gleiten, während die Grundtöne in Quinten abwärts aufgelöst werden. Der normale Bereich für diese Griffe liegt beim Klavier in den zwei Oktaven vom C unterhalb des mittleren C bis zum C oberhalb des mittleren C. Wenn die Griffe abwärts gehen, fangen sie an unsauber zu klingen, so daß Sie aufwärts springen werden. Wenn Sie z.B. am Schluß bei einem Dm7 mit C F A H unter dem mittleren C sind und in einen G7 und dann in einen Cmaj7 auflösen müssen, möchten Sie vielleicht diese beiden Akkorde als D F G H und E A H D spielen, um den Griff aufwärts zu bewegen, während Sie eine gute Stimmführung aufrechterhalten. Auch bewegen sich die Grundtöne nicht immer in Quinten; in einer Progression wie von Cmaj7 nach A7 möchten Sie diese vielleicht als G H C E zu G H C# F# greifen, um eine gute Stimmführung aufrechtzuerhalten.

Was Sie bei diesen Griffen in Zusammenhang mit einer diatonischen ii-V-I beachten müssen, ist, daß ein bestimmter Griff manchmal mehrdeutig sein kann, weil die Akkorde Moden derselben Tonleiter implizieren (d-dorisch ist das gleiche wie G-myxolidisch oder D-Dur). So kann z.B. F A H E entweder ein Dm7 ohne Septime sein oder ein G7. Zusammen mit einer modalen Melodie wie So What ist das eindeutig ein Dm7 oder der d-dorische Sound. Mit einer ii-V-Progression klingt es wahrscheinlich eher wie ein G7. Sie können diese Mehrdeutigkeit zu Ihrem Vorteil nutzen, indem Sie einen Griff über mehrere Akkorde ausdehnen. Diese Technik ist besonders nützlich, wenn sie auf die allgemeineren tonleiterbasierten Griffe angewandt wird, die später besprochen werden.

Sie können die 3/7-Griffe auch mit erhöhten oder verminderten Quinten oder Nonen alterieren. Wenn z.B. der G7-Akkord zu einem G7b9-Akkord alteriert wird, dann kann er als F Ab H E gegriffen werden. Im allgemeinen sollten die Noten des Griffs aus der Tonleiter stammen, die durch den Akkord impliziert wird.

Diese Griffe können auf dem Klavier gut mit der linken Hand gespielt werden, während die rechte Hand ein Solo spielt. Sie können auch mit zwei Händen gespielt werden oder mit allen Saiten einer Gitarre, indem man weitere Noten hinzufügt. Das führt zu einem volleren Klang, wenn man andere Solisten begleitet. Eine Möglichkeit, weitere Noten hinzuzufügen, ist, eine noch nicht im Grundgriff enthaltene Note zu wählen und sie in Oktaven oberhalb des Grundgriffs zu spielen. Auf dem Klavier könnten Sie z.B. bei einem Dm7 mit F A C E in der linken Hand D D oder G G in der rechten spielen. Im allgemeinen ist es eine gute Idee, das Verdoppeln von Noten in den Griffen zu vermeiden, da der vollste Klang üblicherweise durch das Spielen von so vielen Noten wie möglich erreicht wird, aber die Oktave in der rechten Hand klingt in diesem Zusammenhang gut. Die Note eine Quarte oder Quinte über der unteren Note der Oktave kann oft ebenfalls hinzugefügt werden. So könnten Sie z.B. bei den gleichen Noten in der linken Hand wie zuvor mit der rechten Hand D G D oder G D G spielen.

Die 3/7-Griffe sind vielleicht die wichtigste Griffamilie, und es sind viele Variationen möglich. Sie sollten versuchen, von jedem viele Permutationen in vielen verschiedenen Tonarten zu üben.


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