A Jazz Improvisation Primer

von Marc Sabatella

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Übersetzung: Edgar Lins (letzte Änderung 4.4.2005)


Symmetrische Tonleitern

Wenn der Modus einer bestimmten Tonleiter die gleiche Art von Tonleiter erzeugt wie das Original, dann spricht man von einer symmetrischen Tonleiter. Verschiedene der von Jazz-Musikern benutzten wichtigen Tonleitern sind symmetrisch. So ist z.B. die chromatische Tonleiter in der Hinsicht symmetrisch, daß jeder einzelne Modus von ihr eine weitere chromatische Tonleiter ist. In diesem Fall gibt es wirklich nur eine einzige chromatische Tonleiter; alle anderen sind lediglich Moden davon. Allgemein gilt: Wenn N Moden einer bestimmten Tonleiter dieselbe Art von Tonleiter erzeugen (einschließlich des ersten Modus, d.h. der Tonleiter selbst), dann gibt es nur 12/N verschiedene Tonleitern dieser Art.

Bei den in diesem Abschnitt behandelten Tonleitern muß man auf eine Sache aufpassen. Sie scheinen sich für das Spielen von Pattern anzubieten, und es ist manchmal schwer, zu vermeiden klischeehaft zu klingen, wenn man diese Tonleitern benutzt. Wenn man mehrere Takte mit einem bestimmten Akkord hat, ist es eine verbreitete Technik, eine kurze Figur in der damit verbundenen Tonleiter zu spielen und sie dann in verschiedene Höhen transponiert zu wiederholen. Ein mögliches Muster in C-Dur wäre z.B. C D E G. Dieses Muster könnte mehrere Male wiederholt werden, indem man mit verschiedenen Noten anfängt, vielleicht als D E F A oder E F G H. Aus irgendeinem Grund laden viele der unten aufgeführten Tonleitern geradezu zu diesem Vorgehen ein, und es ist leicht, am Ende ein paar Klischees zu haben, die man jedesmal benutzt, wenn man mit diesen Tonleitern konfrontiert wird. Seien Sie sich dessen immer bewußt. Sie sollten nicht das Gefühl haben, daß eine Tonleiter Ihnen diktiert, was Sie spielen können oder sollten.


Ganztonleiter

Eine besonders einfache Tonleiter ist die Ganztonleiter. Sie wird so genannt, weil alle Schritte der Tonleiter Ganztonschritte sind. Eine C-Ganztonleiter besteht aus den Noten C D E F# G# B. Sie hat nur sechs Noten und alle ihrer sechs Moden (einschließlich ihrer selbst) bilden Ganztonleitern. Somit gibt es nur 12/6 oder 2 verschiedene Ganztonleitern. Die andere ist Db Eb F G A H.

Da die erste, dritte und fünfte Stufe dieser Tonleiter einen übermäßigen Dreiklang bilden, kann diese Tonleiter über übermäßigen Akkorden gespielt werden. Diese Tonleiter enthält auch die Note, die in einem Dominantakkord die Septime wäre (d.h. das B in C7). Der durch diese Tonleiter implizierte Akkord wird entweder C7aug, Caug, C7+, C+ oder C7#5 geschrieben.

Die verminderten Tonleitern

Eine weitere symmetrische Tonleiter ist die verminderte Tonleiter. Diese Tonleiter wird auch die Ganzton-Halbton-Tonleiter oder Halbton-Ganzton-Tonleiter genannt, weil sie abwechselnd aus Halb- und Ganztonschritten aufgebaut ist. Eine Ganzton-Halbton-Tonleiter (GH) auf C besteht aus den Noten C D D# F F# G# A H; eine Halbton-Ganzton-Tonleiter (HG) besteht aus den Noten C Db Eb E F# G A B. Jede dieser Tonleitern beinhaltet acht Noten. Beachten Sie, daß zusätzlich zur ursprünglichen Tonleiter der dritte fünfte und siebte Modus jeder GH- oder HG-Tonleiter (zusätzlich zum ersten Modus) eine weitere GH- oder HG-Tonleiter bilden, so daß es nur 12/4 oder 3 verschiedene verminderte Tonleitern von jeder Art gibt. Beachten Sie auch, daß die GH-Tonleiter nur der zweite Modus der HG-Tonleiter ist, so daß es in Wahrheit nur drei verschiedene verminderte Tonleitern gibt. Die GH- und HG-Versionen dieser Tonleiter werden jedoch in verschiedenen Situationen benutzt.

Die HG-Tonleiter umschreibt einen Dominantseptakkord mit einer verminderten None und Quinte. So ist z.B. C7b9b5 C E Gb B Db, und diese Noten sind - wie die Sexte, unveränderte Quinte und erhöhte None - alle in der C-HG-Tonleiter vorhanden. Die HG-Tonleiter ist somit zur Verwendung über Dominantsept-b9b5-Akkorden eine gute Wahl. John Coltrane benutzte diesen Sound oft.

Diese Tonleiter ist der alterierten Tonleiter sehr ähnlich, die auch die verminderte Ganztonleiter genannt wird. Die alterierte C-Tonleiter enthält die ersten fünf Noten der C-HG-Tonleiter und die letzten vier (wobei das E und F# überlappen) der C-Ganztonleiter. Da beide Tonleitern sowohl verminderte Quinten als auch verminderte und erhöhte Nonen enthalten, werden sie manchmal austauschbar über Dominantseptakkorden benutzt. Versuchen Sie, am Klavier mit der rechten Hand beide Tonleitern über dem Grundton, der Terz und der Septime in Ihrer linken Hand zu üben. Sie klingen sehr ähnlich. Viele Fakebooks sind beim Gebrauch der Symbole alt, #9, b9, b5, #9#5 und b9b5 inkonsistent. Die Lektion ist hier, daß Sie sich beim Gebrauch dieser beiden Tonleitern auf Ihr Gehör und Ihren gesunden Menschenverstand verlassen müssen.

Die GH-Tonleiter umschreibt einen vollverminderten Septakkord und wird deshalb über verminderten Akkorden benutzt. So kann z.B. die C-GH-Tonleiter C D D# F F# G# A H über Cdim oder Cdim7 gespielt werden. Das klassische Symbol für vermindert, ein kleiner Kreis, wird ebenfalls manchmal benutzt. Beachten Sie, daß diese Tonleiter dieselbe ist wie die D#-, F#- und A-GH-Tonleiter, und die Akkorde Cdim7, D#dim7, F#dim7 und Adim7 sind in Wahrheit alle Inversionen desselben Akkords. Sie können gegeneinander ausgetauscht werden.

Was noch wichtiger ist: Diese Tonleiter ist auch dieselbe wie die D-, F-, G#- und H-HG-Tonleiter. Diese Tonleitern sind mit ihren entsprechenden b9b5-Dominantakkorden verbunden. Die verminderten C-, Eb-, F#- und A-Akkorde werden deshalb oft als Ersatz für die zugehörigen Dominantakkorde benutzt und umgekehrt. An den meisten Stellen, an denen Sie einen verminderten Akkord sehen, können Sie ihn durch einen der zugehörigen Dominantakkorde ersetzen. Eine besonders verbreitete Akkordprogression ist | Cmaj7 | C#dim | Dm7 |. Der C#dim-Akkord impliziert hier die C#-GH-Tonleiter, die dieselbe wie die C-, Eb-, F#- und A-HG-Tonleiter ist. In diesem Fall kann der A7b9b5-Akkord als Ersatz für den C#dim-Akkord benutzt werden. Nicht nur, daß A7b9b5 und C#dim dieselbe Tonleiter teilen, sondern der A-Dominantakkord kann ebenfalls gut in den d-Moll-Akkord aufgelöst werden. Jede der mit A-Dominantakkorden verbundenen Tonleitern, wie A-mixolydisch, A-lydisch dominant, a-alteriert oder a-Blues kann deshalb in diesem Zusammenhang über dem C#dim-Akkord gespielt werden.


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