A Jazz Improvisation Primer

von Marc Sabatella

© Copyright 1992-2000 Outside Shore Music

Übersetzung: Edgar Lins (letzte Änderung 11.1.2005)


Ziele

Hinsichtlich der Zwecke dieses Buchs sind wir alle Musiker. Einige von uns mögen auftretende Musiker sein, während die meisten von uns zuhörende Musiker sind. Die meisten Auftretenden sind auch gleichzeitig Zuhörer. Ich werde versuchen, die Ausdrücke Auftretender bzw. Zuhörer statt der Begriffe Musiker oder Nichtmusiker zu benutzen, wenn ich mein Publikum anspreche. Dieses Buch ist in erster Linie für Auftretende gedacht, die Jazz-Improvisation lernen möchten. Es ist auch für Zuhörer gedacht, die ihr Verständnis der Musik vergrößern möchten. Ich glaube, daß alle Musiker von einem volleren Verständnis des Jazz profitieren können, da dies zu einem größeren Vergnügen an der Musik führen kann.

Einige Grundkenntnisse der Musik, einschließlich der Vertrautheit mit der Standard-Musiknotation, werden an vielen Stellen des Buchs vorausgesetzt. Ich empfehle sehr, daß Sie Zugang zu einem Klavier und die Fähigkeit haben, einfache Beispiele darauf zu spielen. Auftretende sollten bereits grundlegende technische Fertigkeiten auf ihren Instrumenten besitzen, damit sie den größten Nutzen aus diesem Buch ziehen können. Zuhörer sollten versuchen, die technischeren Erörterungen "durchzustehen" und sich nicht an den Details festzubeißen, wenn diese als "zu hoch" scheinen.

Dieses Buch hat hauptsächlich drei Ziele. Es soll Ihnen die Sprache des Jazz beibringen, Ihr Verständnis für Jazz, wie er von anderen vorgetragen wird, verbessern und Auftretenden einen Einstieg in das Improvisieren bieten. Die Sprache des Jazz ist im wesentlichen eine Sprache der Stile, Geschichte und Musiktheorie. Sie ist die Sprache der Kommentare, Interviews und Lehrbücher und enthält Begriffe wie "Bebop", "Trane" und "Lydische Dominante". Diese Sprache zu lernen stellt auch ein Gerüst dafür zur Verfügung, die Musik an sich zu verstehen. Während es sicherlich möglich ist, gerne John Coltrane zu hören ohne etwas von Musiktheorie zu verstehen, kann ein ausreichendes Wissen über die Harmonielehre für eine neue Grundlage des Verständnisses sorgen. Es ist auch möglich, ohne viel theoretischen Hintergrund zu improvisieren, aber Geschichten von berühmten Musikern, die keine Noten lesen konnten, sind im allgemeinen stark übertrieben, und ich glaube, daß das Spielen jedes Musikers durch das Lernen von mehr Theorie verbessert werden kann.

Übersicht

Dieses Buch besteht aus einer Reihe von Schritten, die Sie zu einem Jazz-Musiker machen sollen, entweder als einen Auftretenden oder als einen informierteren Zuhörer. Die meisten Schritte sind an den Auftretenden gerichtet, aber ich ermutige den nichtauftretenden Zuhörer, so viele der spielbaren Beispiele auszuprobieren wie möglich. Das sollte Ihnen helfen, Ihr Gehör zu erweitern und Aspekte der Musik zu erkennen, die Ihnen sonst entgangen wären.

Die Schritte, die in diesem Buch aufgeführt werden, sind:

  1. verschiedene Jazz-Stile anhören
  2. Grundlagen des Jazz verstehen
  3. Beziehungen von Akkorden und Tonleitern lernen
  4. lernen, wie man die Theorie auf die Jazz-Improvisation anwendet
  5. lernen, wie man andere Solisten begleitet
  6. mit anderen spielen
  7. analytisch zuhören
  8. die Regeln brechen

Diese Punkte werden später ausführlicher beschrieben.

Ein Teil des hier präsentierten Materials ist sehr grundlegend, und einiges davon ist sehr fortgeschritten. Diejenigen von Ihnen, die bereits viel Jazz gehört haben aber selbst keine Auftretenden sind, werden die Besprechung der Geschichte wahrscheinlich zu einfach finden, die theoretischen Erörterungen aber überwältigend. Andere mögen bei der Erklärung solch grundlegender Konzepte wie der Dur-Tonleiter ungeduldig werden, die Zahl und Vielfältigkeit der besprochenen Musiker aber verwirrend finden. Sie mögen sich fragen, warum solch ein breiter Bereich an Informationen in dieses eine Buch gepreßt wurde. Ich glaube, daß man, um Jazz-Improvisation zu verstehen, die Geschichte, die Theorie und die Techniken des Jazz verstehen muß. Ich habe das Gefühl, daß es wichtig ist, diese Themen zu vereinen, wenn man ein breites Verständnis entwickeln möchte.

Andere Quellen

Dieses Buch ist nicht die einzige Informationsquelle, die Sie benutzen können und sollten, um die Jazz-Improvisation zu lernen. Es gibt Bücher von Jerry Coker, David Baker und anderen, mit deren Hilfe man Jazz-Improvisation lernen kann. Einige davon sind relativ grundlegend und decken nicht viel mehr Material als dieses Buch ab. Andere sind ziemlich fortgeschritten, und dieses Buch wird hoffentlich die notwendigen Hintergrundinformationen bieten, damit Sie diese Texte in Angriff nehmen können.

Zusätzlich zu Lehrbüchern sind "Fakebooks" eine weitere wichtige Quelle für Auftretende. Ein Fakebook enthält typischerweise die Noten von hunderten von Liedern, aber es enthält für jedes nur die Melodie, ggf. den Liedtext und die Akkordsymbole. Eine Beschreibung einiger der verfügbaren Lehrbücher und Fakebooks finden Sie in der Bibliographie.

Beim Üben ist es oftmals nützlich, gemeinsam mit einer Rhythmusgruppe (Klavier, Baß und Schlagzeug) zu spielen. Das geht natürlich nicht immer. Jamey Aebersold hat eine Reihe von "Play-along"-Alben produziert, um dieser Situation abzuhelfen. Diese Schallplatten, Kassetten oder CDs werden mit Büchern ausgeliefert, die die Noten für die Lieder auf den Tonträgern in Form eines Fakebooks beinhalten. Die Aufnahmen enthalten nur die Begleitung; es gibt keine Melodie oder Soli. Es ist Ihre Aufgabe, diese hinzuzufügen. Das Klavier und der Baß sind auf verschiedenen Stereokanälen aufgenommen, so daß sie einzeln abgeschaltet werden können, wenn Sie eines dieser Instrumente spielen. Ich empfehle allen Auftretenden, sich ein paar davon zu besorgen. Anzeigen dafür gibt es im Down Beat Magazin.

Eine weitere Möglichkeit ist das Computerprogramm Band-In-A-Box. Dieses Programm läuft auf verschiedenen Hardwareplattformen. Es gestattet Ihnen, die Akkorde eines Liedes im ASCII-Format einzugeben, und es erzeugt daraus Spuren der Rhythmusgruppe und kann diese über einen MIDI-Ausgang mit einem Synthesizer abspielen. Es leistet wirklich gute Arbeit beim Erzeugen realistischer Spuren, und wenn Ihr Synthesizer realistische Klänge erzeugen kann, dann können Sie nicht mehr sagen, ob Sie nicht mit der Aufnahme einer wirklichen Rhythmusgruppe spielen. Es gibt Disketten mit hunderten von bereits fertigen Liedern. Anzeigen finden Sie im Keyboard Magazin.


Nächste Seite Eine kurze Geschichte des Jazz
Vorhergehende Seite Vorwort
  Inhaltsverzeichnis


Der gesamte Inhalt unterliegt dem Copyright © von "The Outside Shore"

Marc Sabatella / marc@outsideshore.com
P.O. Box 147151, Edgewater, CO 80214-7151


Ende der Übersetzung dieser Seite
Original: http://www.outsideshore.com/primer/primer/ms-primer-1.html (extern)

© Copyright (2004-2005) der deutschen Website

Edgar Lins
Usinger Straße 46
61231 Bad Nauheim
Deutschland

musik@uteedgar-lins.de


Homepage von www.uteedgar-lins.de  Homepage von MSJIPDE  Inhaltsverzeichnis  Vorhergehende Seite  Nächste Seite

http://msjipde.uteedgar-lins.de/ms-primer-1.html